Kaffee mit allen Sinnen entdecken: Beim Cupping werden verschiedene Kaffees unter möglichst gleichen Bedingungen verkostet, damit ihre Aromen und Unterschiede besonders gut wahrnehmbar werden. Beim Reinholz Hoffest 2026 haben wir unsere Cupping-Tafel für alle geöffnet: Gemeinsam wurde gerochen, geschlürft, verglichen und darüber gesprochen, was eigentlich alles in einer Tasse Kaffee stecken kann.
Riechen, schlürfen, schmecken – und zwischendurch ziemlich konzentriert in eine Tasse gucken: Wer zum ersten Mal bei einem Kaffee Cupping zuschaut, fragt sich vielleicht, was da eigentlich genau passiert. In der Kaffeebranche gehört Cupping zum Alltag. Kaffees werden dabei unter möglichst vergleichbaren Bedingungen aufgebrüht und verkostet. So lassen sich ihre Eigenschaften, Unterschiede und natürlich ihre Aromen besser erkennen und beschreiben. Cupping schafft damit eine gemeinsame sensorische Sprache, die entlang der gesamten Kaffeekette genutzt werden kann.
Und weil man Dinge am besten versteht, wenn man sie selbst ausprobiert, haben wir beim Reinholz Hoffest 2026 unsere Cupping-Tassen einfach für euch auf den Tisch gestellt. Fünf unterschiedliche Reinholz Kaffees, viele neugierige Nasen und Löffel – und plötzlich wurde in unserer Rösterei gemeinsam gerochen, geschlürft und diskutiert.
Aber von vorne: Was ist Cupping überhaupt?
Was ist Kaffee Cupping?
Cupping ist eine Methode zur sensorischen Verkostung von Kaffee. Vereinfacht gesagt geht es darum, Kaffees so zuzubereiten, dass sie möglichst gut miteinander verglichen werden können. Denn wenn wir einen Kaffee als Handfilter zubereiten, den nächsten in der French Press und beim dritten vielleicht noch etwas an Mahlgrad oder Rezept verändern, vergleichen wir nicht mehr nur die Kaffees. Auch die Zubereitung beeinflusst das Ergebnis.
Beim Cupping sollen deshalb möglichst gleiche Voraussetzungen geschaffen werden. Das ist gerade für Kaffeeprofis wichtig. Sensorische Bewertungen helfen unter anderem dabei, Kaffees zu beschreiben, Unterschiede zwischen verschiedenen Kaffees zu erkennen und ihre Eigenschaften und Qualität einzuordnen. Die Specialty Coffee Association beschreibt standardisierte Bewertungsmethoden auch als eine gemeinsame Sprache innerhalb der internationalen Kaffeebranche.
Oder etwas weniger wissenschaftlich gesagt: Wir wollen wissen, was wirklich in der Bohne steckt.

Warum wird Kaffee gecuppt?
Cupping ist nicht einfach nur gemeinsames Kaffeetrinken. Die sensorische Verkostung kann an ganz unterschiedlichen Stellen innerhalb der Kaffeewelt eingesetzt werden. Produzenten, Rohkaffeehändler, Einkäufer und Röstereien können damit Kaffees beurteilen und miteinander vergleichen. In einer Rösterei kann Cupping außerdem dabei helfen, die sensorischen Eigenschaften eines Kaffees kennenzulernen und Veränderungen oder Unterschiede wahrzunehmen.
Dabei geht es längst nicht ausschließlich um die Frage: Schmeckt mir oder schmeckt mir nicht?
Spannend sind vielmehr Fragen wie: Ist der Kaffee eher süß oder säurebetont? Erinnert er an Schokolade oder Nüsse? Entdecken wir Beeren, Steinfrüchte oder Zitrusnoten? Wie fühlt sich der Kaffee im Mund an? Und wie verändert sich die Wahrnehmung, während der Kaffee langsam abkühlt? Und genau diese Unterscheidung ist ziemlich spannend: Ein Aroma kann vorhanden sein – unabhängig davon, ob es dein persönlicher Favorit ist.
So funktioniert ein Kaffee Cupping
Von außen sieht ein Cupping zunächst erstaunlich unkompliziert aus: Tassen, Kaffee, heißes Wasser und Löffel. Damit verschiedene Kaffees sinnvoll miteinander verglichen werden können, kommt es aber auf eine möglichst einheitliche Vorbereitung und Verkostung an. Genau dafür gibt es professionelle Standards und festgelegte Abläufe.
Das Grundprinzip lässt sich trotzdem ganz einfach erklären:
1. Kaffee mahlen und erst einmal riechen
Bevor Wasser ins Spiel kommt, lohnt sich bereits die erste Nase. Der frisch gemahlene Kaffee gibt viele flüchtige Aromastoffe frei. Deshalb wird beim Cupping nicht nur geschmeckt, sondern von Anfang an auch ganz bewusst gerochen. Schon jetzt können erste Assoziationen entstehen: vielleicht Schokolade, Nüsse, Früchte oder Gewürze. Und keine Sorge: „Riecht gut“ ist für den Anfang eine vollkommen legitime Erkenntnis.
2. Den Kaffee mit heißem Wasser aufgießen
Der gemahlene Kaffee kommt direkt in die Cupping-Tasse und wird mit heißem Wasser aufgegossen. Milch, Zucker oder andere Zutaten haben beim professionellen Cupping nichts verloren. Schließlich wollen wir den Kaffee selbst kennenlernen und seine sensorischen Eigenschaften möglichst unverfälscht wahrnehmen. Professionelle Standards legen unter anderem Anforderungen an Probenvorbereitung, Verkostungsmechanik und Bewertung fest, damit Ergebnisse möglichst nachvollziehbar und vergleichbar werden.
3. Warten – und wieder riechen
Jetzt passiert erst einmal: nichts. Zumindest sieht es so aus. Das Kaffeepulver sammelt sich an der Oberfläche und bildet eine sogenannte Kruste. Gleichzeitig läuft die Extraktion weiter und der Duft des Kaffees verändert sich. Auch jetzt lohnt sich die Nase.



Kruste brechen: der vielleicht beste Moment beim Cupping
Nach einigen Minuten wird die entstandene Kaffeekruste mit einem Löffel aufgebrochen – der sogenannte Break. Und genau dabei kommt einem noch einmal eine ordentliche Portion Kaffeearoma entgegen. Die Nase befindet sich deshalb möglichst nah an der Tasse, während die Kruste vorsichtig mit dem Löffel bewegt wird. Anschließend werden Kaffeepartikel und Schaum von der Oberfläche entfernt. Zurück bleibt der Kaffee, der nach etwas Abkühlzeit verkostet werden kann.
Und dann wird geschlürft. Laut.
Ja. Wirklich. Wer schon einmal Kaffeeprofis beim Cupping beobachtet hat, kennt dieses Geräusch. Der Kaffee wird mit einem Cupping-Löffel aufgenommen und kräftig eingesogen. Das hat nichts mit schlechten Tischmanieren zu tun, sondern hilft bei der sensorischen Wahrnehmung. Durch das Einsaugen verteilt sich der Kaffee breit im Mund. Gleichzeitig spielen Geschmack und Geruch bei der Wahrnehmung von Aroma zusammen. Sensorische Kaffeebewertung beschäftigt sich deshalb nicht nur mit dem Geschmack auf der Zunge, sondern ebenso mit Geruch und Mundgefühl. Kurz gesagt:
Beim Cupping ist Schlürfen ausdrücklich erwünscht.
Und spätestens wenn alle rund um den Tisch gleichzeitig damit anfangen, ist es auch überhaupt nicht mehr komisch.
Aber wie soll Kaffee plötzlich nach Brombeere schmecken?
Das ist wahrscheinlich eine der häufigsten Fragen, wenn Menschen anfangen, sich intensiver mit Kaffee zu beschäftigen. Auf einer Kaffeepackung steht vielleicht: Schokolade. Pflaume. Karamell. Du trinkst einen Schluck und denkst: Kaffee.
Völlig normal. Denn Aromen wahrzunehmen und vor allem Worte dafür zu finden, ist Übung. Beim Cupping geht es deshalb nicht darum, möglichst spektakuläre Geschmacksnoten zu erraten. Viel hilfreicher ist zunächst die Frage: Woran erinnert mich das? Ist der Kaffee eher fruchtig? Nussig? Süß? Würzig? Floral? Röstig? Von diesen großen Kategorien kann man sich langsam weiter vorarbeiten.
Unser Aromarad hilft beim Schmecken
Genau dafür haben wir in unserer Rösterei ein ziemlich großes Hilfsmittel an der Wand: unser Aromarad. Darauf finden sich unterschiedliche Geschmacks- und Aromafamilien, die dabei helfen, Wahrnehmungen einzuordnen und genauer zu beschreiben. Vielleicht ist der erste Gedanke einfach „fruchtig“. Beim weiteren Probieren erinnert die Fruchtigkeit eher an Beeren. Und irgendwann landet man vielleicht tatsächlich bei Brombeere.
Das Aromarad nimmt einem das Schmecken natürlich nicht ab. Aber es gibt einem Begriffe für etwas, das man möglicherweise längst wahrnimmt, nur noch nicht benennen kann. Eine gemeinsame sensorische Sprache spielt auch im professionellen Cupping eine wichtige Rolle. Und das Schöne daran: Man wird mit der Zeit besser. Je häufiger man unterschiedliche Kaffees bewusst nebeneinander probiert, desto leichter lassen sich Unterschiede erkennen.

Geschmack ist nicht gleich Geschmack
Dabei sollte man eines nicht vergessen: Wahrnehmung ist komplex. Was wir als Geschmack eines Kaffees bezeichnen, entsteht aus verschiedenen Sinneseindrücken. Geruch, Geschmack und Mundgefühl wirken zusammen. Gleichzeitig können Erfahrung, Erwartung und andere Einflüsse unsere Wahrnehmung beeinflussen. Genau deshalb beschäftigt sich die moderne sensorische Wissenschaft auch intensiv mit möglichen Verzerrungen und Fehlerquellen bei Verkostungen.
Deshalb muss am Cupping-Tisch auch nicht jeder exakt dieselben Begriffe nennen. Vielleicht erinnert dich ein Aroma an die Johannisbeermarmelade deiner Oma und jemanden neben dir eher an eine andere rote Frucht. Spannend wird es, wenn man darüber spricht.
Was schmeckst du? Was riechst du? Was nimmt dein Gegenüber wahr? Genau das macht gemeinsames Cupping so interessant.
Cupping für alle: unsere Premiere beim Reinholz Hoffest
Normalerweise begegnet einem Cupping eher hinter den Kulissen der Kaffeewelt. Bei unserem Reinholz Hoffest 2026 wollten wir das ändern. Also haben wir in unserer Rösterei die Tassen aufgereiht und euch eingeladen, einfach mitzumachen. Ohne Vorkenntnisse und ohne die Erwartung, plötzlich zum professionellen Kaffee-Sommelier zu werden. Gemeinsam haben wir fünf verschiedene Reinholz Kaffees verkostet.
Es wurde gerochen, die Kruste gebrochen, geschlürft, verglichen und vor allem ziemlich viel über Kaffee gesprochen. Und genau das war das Schöne daran: Am Tisch standen nicht nur Menschen, die sich beruflich jeden Tag mit Kaffee beschäftigen. Jeder konnte mitmachen, probieren und herausfinden, wie unterschiedlich Kaffee eigentlich schmecken kann. Ein ziemlich besonderer Moment kam noch dazu: Unser Kaffeefarmer Rainer von der Finca Fulda in Mexiko war spontan zu Besuch und beim Cupping mit dabei.
Plötzlich standen damit Menschen gemeinsam an einem Tisch, die Kaffee anbauen, rösten, verkaufen und einfach gerne trinken. Viel näher kann man die Reise von der Farm bis in die Tasse eigentlich kaum zusammenbringen.
Muss man Kaffeeprofi sein, um zu cuppen?
Ganz klares Nein. Natürlich braucht professionelle sensorische Bewertung viel Erfahrung, Training und eine gemeinsame Methodik. Wer Kaffee beruflich bewertet, muss seine Wahrnehmung trainieren und Ergebnisse nachvollziehbar beschreiben können. Aber um Kaffee bewusster zu schmecken, braucht es erst einmal vor allem Neugier.
Gerade für den Einstieg ist es spannend, zwei oder drei deutlich unterschiedliche Kaffees direkt nebeneinander zu probieren. Denn einen einzelnen Kaffee zu beschreiben kann schwierig sein. Zwei Kaffees zu vergleichen ist viel leichter. Welcher wirkt fruchtiger? Welcher kräftiger? Wo findest du mehr Süße? Welcher erinnert dich eher an Schokolade? Und welchen würdest du einfach am liebsten austrinken? Damit bist du schon mittendrin in der sensorischen Verkostung.


Kann ich ein Kaffee Cupping zuhause machen?
Klar. Für ein professionelles Cupping gelten genaue Standards. Für eine kleine private Verkostung am Küchentisch musst du daraus aber keine Wissenschaft machen. Du brauchst mehrere unterschiedliche Kaffees, möglichst gleiche Tassen oder Schalen, eine Waage, eine Kaffeemühle, heißes Wasser und Löffel. Wichtig ist vor allem, dass du für alle Kaffees dieselben Bedingungen verwendest: gleiche Kaffeemenge, gleiche Wassermenge, gleiche Wassertemperatur, gleicher Mahlgrad und gleiche Ziehzeit.
Dann heißt es: Kaffee (frisch!) mahlen. Riechen. Aufgießen. Warten. Kruste brechen. Wieder riechen. Oberfläche säubern. Etwas abkühlen lassen. Und schließlich mit dem Löffel probieren. Am besten verkostest du mehrere Kaffees direkt nebeneinander. Und wenn es beim ersten Mal einfach nur heißt: „Der eine schmeckt mir fruchtiger und der andere mehr nach Schokolade.“ Dann hat das Cupping schon funktioniert.
Kaffee schmecken kann man lernen
Wer sich intensiver mit Kaffee beschäftigt, merkt irgendwann, wie unglaublich unterschiedlich eine Tasse schmecken kann. Herkunft, Varietät, Anbau, Aufbereitung und Röstung können dazu beitragen, dass Kaffees ganz unterschiedliche sensorische Eigenschaften entwickeln. Beim Cupping versuchen wir, diese Unterschiede möglichst bewusst wahrzunehmen.
Man braucht dafür keine magische Supernase. Man braucht Kaffee, ein bisschen Zeit und Lust darauf, genauer hinzuschmecken. Und vielleicht einen Löffel.
Schlürfen nicht vergessen.
Häufige Fragen zum Kaffee Cupping
Cupping bezeichnet die sensorische Verkostung von Kaffee. Kaffees werden unter möglichst vergleichbaren Bedingungen zubereitet und anschließend hinsichtlich ihrer Aromen und weiterer sensorischer Eigenschaften beschrieben und bewertet.
Der Kaffee wird kräftig vom Löffel eingesogen, damit er sich gut im Mund verteilt und seine sensorischen Eigenschaften wahrgenommen werden können. Geruchs- und Geschmackssinn wirken bei der Wahrnehmung von Kaffee eng zusammen.
Beim Cupping soll der Kaffee selbst beurteilt werden. Milch, Zucker oder andere Zutaten würden Geschmack und Aroma verändern und einen direkten Vergleich erschweren.
Nach dem Aufgießen sammelt sich gemahlener Kaffee an der Oberfläche und bildet eine Kruste. Diese wird beim sogenannten „Break“ mit einem Löffel aufgebrochen. Dabei werden besonders viele Aromen wahrnehmbar.
Ein Aromarad hilft dabei, Geruchs- und Geschmackseindrücke zu benennen und einzuordnen. Statt sofort eine sehr konkrete Note erkennen zu müssen, kann man sich beispielsweise von „fruchtig“ über „Beeren“ zu einer konkreteren Assoziation vorarbeiten.





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